Das tägliche Backup ist gelöst: externe Platte, NAS, Cloud, fertig. Aber was ist mit den Daten, die in zwanzig oder dreißig Jahren noch da sein sollen? Die Hochzeitsfotos, das digitale Fotoalbum der Kinder, Steuerunterlagen, das eigene Projektarchiv. Für so etwas reicht die normale Backup-Routine nicht – denn hier geht es um Archivierung, nicht ums Backup. Der Unterschied: Ein Backup sichert den aktuellen Stand gegen Verlust und muss im Ernstfall schnell zurückspielen. Ein Archiv konserviert Daten über Jahrzehnte – jedes Speichermedium altert, und jede Schnittstelle verschwindet irgendwann.
In diesem Artikel vergleichen wir die vier gängigsten Optionen für die Langzeitarchivierung: Cloudspeicher, Festplatten, DVDs und M-DISC. Mit Kosten, realistischen Haltbarkeiten und einer Empfehlung, was sich für wen lohnt. LTO-Bänder, der Industriestandard in Rechenzentren, lasse ich bewusst außen vor – die Laufwerke kosten weit über 1000 Euro und sind für Privatnutzer schlicht uninteressant.
Für das tägliche Backup steht hier schon der Artikel Backups richtig machen – die 3-2-1-Regel. Dieser Artikel geht einen Schritt weiter und behandelt das Archivieren über Jahrzehnte.
- Archivieren ist nicht Backup
- Wie viel Daten fallen überhaupt an?
- Cloud: bequem, aber du mietest nur Zugriff
- Festplatten (HDD): das Arbeitstier mit Ablaufdatum
- DVDs und Blu-rays: günstig, aber die Farbschicht altert
- M-DISC: die optische Platte, die ewig halten soll
- Der Vergleich auf einen Blick
- Meine Empfehlung
- Praxis: M-DISC unter Linux brennen
- Fazit
- Quellen
Archivieren ist nicht Backup
Ein Backup muss im Ernstfall schnell zurückspielen. Ein Archiv muss vor allem eines: überleben. Das ändert die Anforderungen komplett.
- Das Medium altert. Magnetische Schichten verlieren Ladung, Farbschichten zerfallen, Flash-Zellen entladen sich.
- Die Schnittstelle verschwindet. Wer heute eine FireWire-Platte oder ein ZIP-Laufwerk im Schrank hat, weiß, was gemeint ist. In zwanzig Jahren könnte USB-A am PC ebenso exotisch sein.
- Der Anbieter kann wegfallen. Cloud-Dienste werden eingestellt, Konten gesperrt, Preise geändert.
- Das Datenformat muss lesbar bleiben. Proprietäre Formate sind auf lange Sicht riskant. Offene Formate wie ZIP, TAR, PDF/A oder schlicht JPEG und PNG sind die sicherere Wahl.
In diesem Zusammenhang tauchen zwei Begriffe auf, die den ganzen Artikel begleiten: warm und kalt. Ein warmes Archiv ist sofort erreichbar – die externe Platte am Schreibtisch, das NAS im eigenen Netz, der Cloudspeicher per App. Bequem, aber das Medium läuft mit und kostet Strom, Abo oder Verschleiß. Ein kaltes Archiv liegt dagegen physisch offline: gebrannte Discs oder eine abgezogene Festplatte im Schrank. Der Zugriff dauert Minuten bis Stunden, dafür ist das Medium vor Ransomware, Überspannung und versehentlichem Löschen sicher und kostet im Liegezustand nichts.
Ein Langzeitarchiv ist also nie „einmal erstellt und vergessen”. Es braucht einen Pflegezyklus, meist alle drei bis fünf Jahre, in dem man Daten prüft und auf neue Medien umzieht.
Zwei Denkfehler sollte man dabei unbedingt vermeiden: Synchronisation ist kein Backup – wer mit Syncthing, Nextcloud oder Cloud-Sync arbeitet, repliziert auch jedes versehentliche Löschen und jede Korruption auf alle Geräte. Und eine Kopie auf demselben Datenträger ist ebenfalls kein Backup, sie fällt mit dem Original aus.
Wie viel Daten fallen überhaupt an?
Bevor es um Medien geht, lohnt ein Blick auf die eigene Datenmenge – die ist meist kleiner als gedacht. Als Beispiel meine Fotos und Videos: Smartphone-Bilder, Urlaubsclips und Projektaufnahmen bringen es aktuell auf rund 30 GB pro Jahr. Hochgerechnet sind das 300 GB in zehn Jahren, 600 GB in zwanzig und knapp ein Terabyte in dreißig. Dokumente wie Scans, Verträge oder Steuerunterlagen schlagen mit ein paar hundert Megabyte pro Jahr kaum zu Buche, Code und Projekte je nach Hobby auch nur mit ein paar Gigabyte. Das alles ist aber eine Momentaufnahme: Fotos und Videos werden mit jeder Gerätegeneration größer – mehr Megapixel, 4K, inzwischen 8K. Ob die 30 GB pro Jahr auch in Zukunft noch passen, lässt sich nicht sicher sagen, die Hochrechnung ist also eher eine Untergrenze.
Selbst großzügig gerechnet kommt ein Haushalt damit auf vielleicht 50 GB wirklich unersetzlicher Daten pro Jahr. Über zwei Jahrzehnte etwa ein Terabyte – eine Menge, die locker auf eine externe HDD oder ein Dutzend BDXL-Discs passt.
Genauso wichtig ist die Gegenfrage: Was gehört nicht ins Archiv? Betriebssystem-Images, installierbare Software, Spiele und Downloads sind ersetzlich und bei Bedarf neu beschaffbar. Wer vor dem Brennen ausmistet, Dubletten entfernt und nur das Unersetzliche archiviert – Fotos, Dokumente, eigene Projekte, Erinnerungen – spart nicht nur Rohlinge, sondern findet seine Daten in zwanzig Jahren auch wieder.
Cloud: bequem, aber du mietest nur Zugriff
Technisch ist Cloudspeicher nahezu unverwüstlich: Anbieter wie Backblaze oder AWS speichern die Daten redundant auf vielen Systemen. Das eigentliche Risiko ist organisatorisch.
- Kosten: Erste Wahl ist hier die Hetzner Storage Box: rund 3,80 Euro pro Monat für 1 TB (gut 45 Euro im Jahr), Serverstandort Deutschland und Unterstützung für rsync, Borg und restic. Backblaze B2 liegt bei etwa 6 USD pro TB und Monat (rund 70 Euro pro Jahr), AWS S3 Glacier Deep Archive ab etwa 1 USD pro TB und Monat, wobei der Abruf großer Datenmengen extra kostet und Stunden dauert. Consumer-Angebote wie Google One (2 TB für rund 100 Euro im Jahr) sind praktisch, aber weniger für reine Archive gedacht.
- Haltbarkeit: technisch praktisch unbegrenzt, solange das Konto aktiv bleibt. Bei Zahlungsausfall, Anbieter-Insolvenz oder Kontosperrung sind die Daten weg.
- Risiken: Abhängigkeit vom Anbieter, Datenschutz und Jurisdiktion – unbedingt verschlüsselt hochladen. Und die laufenden Kosten summieren sich über Jahrzehnte: 1 TB kostet bei Hetzner über 20 Jahre rund 900 Euro und über 50 Jahre etwa 2250 Euro, bei Backblaze B2 rund 1400 beziehungsweise 3500 Euro. Glacier Deep Archive bleibt mit unter 600 Euro in 50 Jahren nominell am günstigsten, solange man die Daten praktisch nie abruft – realistisch für ein Archiv, das man hoffentlich nie braucht, riskant für eines, auf das man zugreifen will. Diese Zahlen sind allerdings eine Momentaufnahme: Wie teuer Speicher in 10, 20 oder gar 50 Jahren sein wird, lässt sich nicht seriös vorhersagen – Speicherpreise sind historisch gefallen, aber Tarife, Anbieter und Marktlage können sich komplett drehen – wie aktuell am KI-Boom zu sehen, der RAM- und Speicherpreise nach oben treibt, weil Rechenzentren die Kapazitäten aufkaufen.
Fazit: Perfekt als eine Kopie von mehreren, nie als einzige. Wer eine Cloud ins Langzeitkonzept einbaut, fährt mit der Storage Box am besten: deutscher Anbieter, planbare Kosten, offene Protokolle und keine Abhängigkeit von einem US-Konzern.
Festplatten (HDD): das Arbeitstier mit Ablaufdatum
Externe HDDs sind der Klassiker, weil sie viel Speicher für wenig Geld bieten.
- Kosten: etwa 20 bis 50 Euro pro TB, je nach Modell und Größe.
- Haltbarkeit: im Betrieb laut den Statistiken von Backblaze typischerweise drei bis fünf Jahre. Kalt im Schrank liegend ist die Haltbarkeit schlechter abzuschätzen. Mechanik, Lager und die Magnetisierung altern. Wer eine Platte einlagert, sollte sie etwa alle ein bis zwei Jahre einmal anschließen und lesen, damit Lager und Firmware sich „bewegen” und Fehler auffallen.
- Risiken: Sturzschäden, Bitrot bei ungelesenen Daten, festsitzende Lager (Stiction) nach langer Lagerung.
Fazit: Gut als schnelles Arbeits-Backup, mäßig als Langzeitmedium – es sei denn, man pflegt den Refresh-Zyklus konsequent.
DVDs und Blu-rays: günstig, aber die Farbschicht altert
Normale DVD±R und BD-R speichern Daten in einer organischen Farbschicht, die mit UV-Licht, Hitze und Zeit zerfällt.
- Kosten: etwa 0,30 bis 0,50 Euro pro 4,7-GB-DVD, also rund 70 bis 100 Euro pro TB. Bei Blu-ray (25 GB) entsprechend ähnlich pro GB.
- Haltbarkeit: Studien von NIST und der Library of Congress zeigen stark streuende Werte. Hochwertige Medien (etwa Verbatim AZO) halten unter idealer Lagerung mehrere Jahrzehnte, billige No-Name-Rohlinge oft nur wenige Jahre. Realistisch sollte man mit fünf bis zehn Jahren rechnen und kühl, dunkel und trocken lagern.
- Risiken: Kratzer, Materialfehler beim Brennen, und inzwischen auch die Frage, ob der PC von morgen noch ein optisches Laufwerk hat.
Fazit: Als Zweitkopie für kleine Datenmengen okay, als einziges Archivmedium zu unsicher.
M-DISC: die optische Platte, die ewig halten soll
M-DISC funktioniert wie eine DVD oder Blu-ray, schreibt aber in eine anorganische, steinartige Schicht statt in organische Farbe. Die Hersteller werben mit einer Lebensdauer von über 1000 Jahren, unabhängige Alterungstests (unter anderem des US Naval Air Warfare Center) bescheinigen deutlich bessere Beständigkeit als bei normalen Rohlingen.
- Kosten: M-DISC BD-R 25 GB liegt bei etwa 5 bis 8 Euro pro Stück, 50 GB bei rund 10 Euro, 100 GB (BDXL) bei etwa 18 bis 20 Euro. Das sind grob 150 bis 250 Euro pro TB.
- Haltbarkeit: kein Farbzerfall, kaum UV- und Hitzeempfindlichkeit. In Vorführungen überstanden die Medien unbeschadet sogar ein Eintauchen in flüssigen Stickstoff gefolgt von einem Sprung ins kochende Wasser – Temperaturextreme, die eine normale Disc nicht mitmacht. Die Haltedauer dürfte real weit über der jeder DVD liegen – die 1000-Jahre-Marke ist allerdings Marketing, niemand kann sie empirisch bestätigt haben.
- Haken: M-DISC gibt es in zwei Formaten. Die Blu-ray-Variante mit 25 bis 100 GB, auf die sich auch die Preise oben beziehen, läuft in den meisten handelsüblichen BD-Brennern und lässt sich in jedem normalen Blu-ray-Laufwerk wieder lesen – der Blu-ray-Laser ist für die anorganische Schicht ohnehin stark genug. Anders die ältere DVD-Variante mit 4,7 GB: Ihre Schicht ist so hart, dass zum Brennen ein M-DISC-zertifizierter Brenner mit stärkerem Laser nötig ist – erkennbar am „M-DISC Ready”-Logo, das typischerweise bestimmte LG-Laufwerke tragen.
Fazit: Das beste physische Langzeitmedium für Privatnutzer. Ideal für das „kalte” Archiv, das einmal gebrannt im Schrank liegt.
Der Vergleich auf einen Blick
| Medium | Kosten pro TB | Realistische Haltbarkeit | Refresh nötig | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Cloud (warm, z. B. Storage Box) | ~45–70 €/Jahr | solange Konto aktiv | – | Offsite-Kopie, Zugriff von überall |
| Cloud (kalt) | ~12 €/Jahr + Abruf | solange Konto aktiv | – | selten benötigte Archive |
| Externe HDD | 20–50 € | 3–5 Jahre | alle 3–5 Jahre | große Mengen, Arbeits-Backup |
| DVD±R | 70–100 € | 5–10 Jahre | alle ~5 Jahre | kleine Datenmengen, Zweitkopie |
| M-DISC BD | 150–250 € | Jahrzehnte | kaum | kaltes Langzeitarchiv |
Wichtig gerade bei der externen HDD: Die Platte sollte regelmäßig – etwa alle ein bis zwei Jahre – angeschlossen und kurz betrieben werden, damit sich Lager und Firmware bewegen und Lesefehler früh auffallen. Der Refresh aus der Tabelle, also das Umziehen der Daten auf ein neues Medium, kommt dazu.
Ein Rechenbeispiel zur Einordnung: 1 TB auf M-DISC kostet rund 200 Euro einmalig, dieselbe Menge in der Storage Box etwa 45 Euro pro Jahr. Nach grob vier bis fünf Jahren ist die gebrannte Disc also günstiger – danach liegt sie kostenlos im Schrank, während die Cloud weiter kassiert.
Meine Empfehlung
Das beste Langzeitarchiv ist kein Medium, sondern eine Kombination – wie bei der 3-2-1-Regel:
- Das kalte Archiv auf M-DISC oder Blu-ray für die wirklich unersetzlichen Daten (Fotos, Dokumente, fertige Projekte). Einmal brennen, dunkel und trocken lagern.
- Das warme Backup auf externer HDD oder NAS für alles Aktuelle, mit Refresh alle drei bis fünf Jahre.
- Die Offsite-Kopie verschlüsselt in der Cloud oder bei Verwandten, gegen Brand, Diebstahl und lokale Katastrophen.
Dazu ein paar Pflichten, die wichtiger sind als jedes Medium:
- Checksummen mitschreiben. Eine
sha256sum-Datei pro Medium. Nur so merkst du stille Datenkorruption, bevor es zu spät ist. - Lesen testen. Einmal im Jahr stichprobenartig Dateien zurückspielen. Ein Archiv, das niemand testet, ist nur eine Hoffnung.
- Offene Formate nutzen. Kein proprietäres Backup-Format als einziger Weg zu den Daten. ZIP, TAR oder schlicht die Dateien selbst auf dem Medium.
- Liesmich aufs Medium. Eine schlichte
LIESMICH.txtauf jeder Disc und jedem Datenträger: Was ist drauf, wann erstellt, welches Format, wo liegt die zugehörige Checksummen-Datei. In zwanzig Jahren weiß niemand mehr, was inarchiv-2026/steckt – auch du selbst nicht. - Schlüssel mit archivieren. Wer das kalte Archiv verschlüsselt, muss den Schlüssel getrennt und auffindbar aufbewahren. Ein verlorener Key ist ein Datenverlust, egal wie gut das Medium altert. Und denk an den digitalen Nachlass: Ins LIESMICH oder auf einen Zettel beim Archiv gehört der Hinweis, wo die Schlüssel liegen – sonst ist die perfekt konservierte Disc für die Familie später wertlos.
Wie das mit den Checksummen konkret aussieht: Vor dem Brennen im Archivordner eine Prüfsummendatei erzeugen, die mit aufs Medium wandert:
1 | cd /pfad/zum/archiv |
Zum Prüfen die Disc mounten, in ihr Verzeichnis wechseln und abgleichen:
1 | cd /media/$USER/<discname> |
Alles, was OK meldet, ist bitgenau identisch mit dem Stand beim Brennen. Bei FAILED ist die Datei beschädigt – dann ist es Zeit, eine neue Kopie aus einer der anderen Sicherungen zu ziehen. Der gleiche Befehl funktioniert übrigens auch für die Festplatte im Schrank.
Und noch ein Punkt, den viele übersehen: SSDs sind kein Langzeitmedium. Die Ladung in den Flash-Zellen entlädt sich im unbetriebenen Zustand binnen weniger Jahre, bei Hitze noch schneller. Für das kalte Archiv sind sie ungeeignet.
Praxis: M-DISC unter Linux brennen
Zum Brennen reicht grundsätzlich die Standardausstattung von Debian & Co. – in der Praxis entscheidet allerdings die Brennsoftware darüber, ob aus dem teuren Rohling ein Archiv oder Elektroschrott wird. Genau da lag bei mir die größte Überraschung.
Zum Vergleich: Unter Windows lief mein externer Brenner mit ImgBurn völlig problemlos. Ich wollte allerdings ein Gegenstück unter Linux – und habe dabei Lehrgeld gezahlt. K3b, sonst die Standardempfehlung schlechthin, brach den Brennvorgang bei mir wiederholt ab, sowohl in Version 25 unter Debian als auch in Version 26 unter Linux Mint. Bei M-DISC-Rohlingen zwischen fünf und zwanzig Euro pro Stück ist das bitter: Jeder Fehlversuch geht direkt ins Geld. Ironisch daran – CD und DVD ließen sich mit K3b und demselben Brenner einwandfrei schreiben, nur bei M-DISC scheiterte es massiv. Die Fehlermeldung, die K3b dabei auswarf, nannte mkisofs als Verursacher – das Problem saß also tiefer als die grafische Oberfläche; der Rohling war damit hin.
Nach weiterem Suchen bin ich bei Xfburn gelandet, dem schlichten Brennprogramm aus dem Xfce-Projekt. Deutlich spartanischer aufgestellt als K3b, dafür lief die M-DISC auf Anhieb durch – und ist damit in diesem Fall meine klare Empfehlung. Wer die Ursache der K3b-Abbrüche kennt oder eine Lösung parat hat: Ich freue mich über eine Mail an redaktion@cryeffect.net.
Die nötigen Pakete:
1 | sudo apt update |
Damit stehen zwei Wege offen, einmal grafisch und einmal im Terminal:
- Grafisch mit Xfburn: Das Programm erkennt den Brenner automatisch. Datenprojekt anlegen, Dateien hineinziehen, brennen. Die Option „geschriebene Daten überprüfen” sollte man direkt mit aktivieren.
- Im Terminal mit growisofs (Teil von
dvd+rw-tools):
1 | growisofs -Z /dev/sr0 -R -J /pfad/zum/archiv |
-Z startet eine neue Disc, -R und -J erzeugen Rock-Ridge- und Joliet-Erweiterungen für gute Kompatibilität. Für eine zweite Session auf derselben Disc nutzt man -M statt -Z. Nach dem Brennen die Disc einmal mounten und die Dateien stichprobenartig gegen die sha256sum-Liste prüfen.
Für die wirklich wichtigen Daten lohnt sich außerdem par2 (Paket par2). Das Tool erzeugt Reparaturdateien, mit denen sich teilweise beschädigte Archive wiederherstellen lassen – Checksummen zeigen Fehler nur an, par2 kann sie beheben:
1 | par2 create -r10 archiv.par2 /pfad/zum/archiv/* |
Die Option -r10 legt zehn Prozent Redundanz fest. Die erzeugten .par2-Dateien wandern mit auf die Disc. Lässt sich eine Datei Jahre später nicht mehr fehlerfrei lesen, holt par2 repair archiv.par2 sie zurück, solange der Schaden kleiner als die Redundanz ist.
Fazit
Für die Langzeitarchivierung gibt es keinen perfekten Datenträger, aber eine kluge Aufteilung: M-DISC für das kalte Archiv, Festplatte für den schnellen Zugriff, Cloud für die Katastrophe außer Haus. Wer zusätzlich Checksummen pflegt und seine Kopien testet, muss sich in zwanzig Jahren keine Sorgen machen, dass das Fotoalbum von heute dann nur noch aus Bitrot besteht.
Konkret habe ich mich für das techPulse120 entschieden, einen externen USB-3.1-Brenner mit USB-C-Anschluss, der CD, DVD und Blu-ray bis BDXL schreibt – und damit auch M-DISC. Kein Affiliate, keine Werbung, einfach das Gerät, für das ich mich entschieden habe. Praktischer Nebeneffekt: Per USB hängt das Archiv an keinem bestimmten Rechner. Laufwerk einstecken, Disc einlegen, Daten prüfen, fertig.
Der Brenner wandert bei mir übrigens gleich mit ins Archiv – dann ist das Ausleseproblem gelöst, solange USB existiert. Und falls der Anschluss irgendwann doch vom Markt verschwindet, läuft es auf das gleiche hinaus wie bei jedem Medium: einmal alles auslesen und auf die nächste Technik umschichten. Genau dafür ist der Pflegezyklus da.
Quellen
- Backblaze Drive Stats – jährliche Ausfallstatistiken von über 300.000 Festplatten
- NIST/Library of Congress: Care and Handling of CDs and DVDs – Studie zur Lebensdauer optischer Medien
- M-DISC – Herstellerinformationen und Technologie
- AWS S3 Glacier Preise, Backblaze B2 Preise und Hetzner Storage Box – aktuelle Cloud-Kosten